Drei Arten der Intuition

Was ist Intuition? Wie entscheiden Menschen?

Viele Entscheidungen gilt es, pro Tag und Stunde zu fällen. Wann stehe ich auf? Was ziehe ich an? Welches Geschenk soll ich meinem lieben Freund machen? Welchen Film soll ich mir ansehen? Was koche ich?

Dabei zermartern wir uns das Gehirn oder reagieren nach Lust und Laune aus dem Bauch heraus.

Viele von uns sind der Meinung, dass wir schwierige Entscheidungen, wie zum Beispiel einen Hauskauf oder berufliche Fragen eher mit dem Kopf angehen sollen. Dahinter steckt die Meinung, dass durchdachte Entscheidungen eher richtig sind als solche, die man aus dem Bauch heraus, sprich intuitiv, trifft. Aber stimmt das überhaupt? Was ist das Bauchgefühl, die Intuition eigentlich? Und ist sie wirklich so unbestimmt und riskant, wie vermutet wird?

Die Wissenschaft setzt sich mit dem Phänomen der Intuition schon seit langer Zeit auseinander. Schon Platon erwähnt sie in seinen Lehren als eine Erkenntnismethode, die das Wesen der Dinge erkennen lässt. Von Kant über Descartes, C.G. Jung und Rudolf Steiner, sie alle beschäftigten sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten der Psychologie, Pädagogik und Philosophie immer wieder mit der Intuition, und auch heute rückt sie wieder ins Interesse der Wissenschaft. Das Schwierige in der Auseinandersetzung mit der Intuition ist hierbei jedoch festzumachen, was Intuition überhaupt ist. Intuition wurde so oft definiert, dass es heute schwierig ist, dabei den Durchblick zu bewahren. Von "Wissen aus dem Unbewussten", bis zu "göttlicher Erkenntnis" und "Wissen, wo man nicht weiß, dass man weiß und woher dieses Wissen kommt" kann man noch viele weitere Definitionen finden.

Drei Arten der Intuition

Heute gehen Wissenschaftler davon aus, dass im täglichen Erleben drei Arten der Intuition existieren. Die Erste stellt das „Handlungswissen“ dar und umfasst Situationen, in denen ein Mensch, trotz Unkenntnis einer bestimmten Handlungsweise, richtig reagiert. Das wird oft in Notfallsituationen beobachtet, wenn Menschen anderen Menschen das Leben retten, aber hinterher oft nicht wissen, was sie getan und warum sie das geschafft haben.

Die zweite Art der Intuition ist der Geistesblitz, das „Aha-Erlebnis“. Diese stellt sich meist unerwartet ein, nach langer Grübelei und meist kurz vor dem gedanklichen K.O. Künstler und Schriftsteller beschreiben oft, dass die Qualität ihrer Arbeit von dieser Art der Intuition abhängig ist.

Die dritte Art der Intuition ist das „somatische Körpergefühl“. Ein Gefühl, das meist im Bauch lokalisiert wird. Der Name Bauchgefühl als Synonym für die Intuition stammt auch aus dem Erleben dieser dritten Art der Intuition, die wir alle kennen: Das schlechte Gefühl im Magen weil wir etwas befürchten, das eintreten könnte. Das Rumoren im Bauch, das uns davor warnt, uns in eine bestimmte Situation zu begeben, weil Gefahr besteht.

Es zeigt sich also, dass Intuition in Entscheidungssituationen oft unmittelbar zum Tragen kommt. Wenn das Denken mit Entscheidungssituationen überfordert ist, setzt die Intuition automatisch ein. Niemand wird behaupten, dass Intuition das Non-Plus-Ultra in Entscheidungssituationen und ihre Richtigkeit unbestreitbar ist, dass Intuition unfehlbar wäre. Dennoch kristallisiert sich bei der „Anwendung“ von Intuition in der Folge immer eine bestimmte erfolgreiche Dynamik heraus. In einer wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchung konnte sogar bewiesen werden, dass Topmanager im Vergleich zu Durchschnittsmanagern und Menschen in anderen Berufen intuitiver agieren.

Intuition ist eine Fähigkeit des Gehirns

Woher stammt die Fähigkeit der Intuition? Steckt auch sie in unserem Gehirn oder können wir das Bauchgefühl doch eher im Bauch lokalisieren? Dazu scheint es geteilte Meinungen zu geben. Viele Wissenschaftler behaupten, dass das Nervengeflecht des Solarplexus für die Intuition verantwortlich ist. Neurobiologen glauben indessen, dass die Ursache der Intuition in sogenannten Spiegelzellen zu finden ist.

Bestimmte Handlungen, wie zum Beispiel das Trinken eines Glases Wasser, ist in bestimmten Nervenbahnen, bestehend aus mehreren Nervenzellen, codiert. Diese Nervenbahnen sind immer und zu jeder Zeit für das Trinken dieses Glases Wasser zuständig. Neurobiologen konnten jedoch herausfinden, dass dieselbe Nervenbahn auch Aktivität zeigt, wenn man beobachtet, wie andere Menschen ein Glas Wasser trinken. Das Gehirn erlebt diese Tätigkeit also, als ob es die Handlung selbst vollziehen würde. Die Grundlage der Empathie wurde somit gefunden, und Intuition stützt sich auf die Fähigkeit des Mitfühlens und –denkens. Sie stützt sich auf das Wahrnehmen unbewusster Gefühle und Gedanken im Menschen.

Intuition aus spiritueller Sicht

In der Esoterik wird die Intuition oft beschrieben als der sechste Sinn, der im Laufe des Erwachsenwerdens immer mehr verkümmert und erst wieder geschult werden muss. Oft ist auch die Rede von einem intuitiven Kanal, der erst geöffnet werden muss, bevor die Intuition wieder wirken kann. Aus meiner Erfahrung jedoch ist unsere Intuitionsfähigkeit in keiner Weise getrübt. Wir sind so intuitiv, wie wir es sein können. Uns ist es jedoch nicht bewusst, wie viele Entscheidungen wir im täglichen Leben durch Intuition fällen. Alleine das Sich-Schlängeln durch eine vielbesuchte Fußgängerzone stellt für mich ein perfektes Beispiel für eine intakte Intuition dar. Wir müssen nicht mit jedem Menschen, der uns entgegenkommt, verbal ausmachen, in welche Richtung wir ausweichen, damit wir nicht gegeneinander krachen. Die Intuition – das unbewusste Wahrnehmen der Energien, der Intentionen, der Gedanken, des Körpers – lenkt uns. Um unsere Fähigkeit zur Intuition zu verbessern, können wir uns unserer Intuition im täglichen Leben wieder bewusst werden und auch in schwierigen Entscheidungssituationen mehr darauf vertrauen.

Abgesehen von der Wichtigkeit der Intuition in schwierigen Lebenslagen oder bei beruflichen Herausforderungen, wie zum Beispiel an der Börse, wo das Denken über die Weiterentwicklung des Marktes meist in eine Sackgasse führt, und man intuitiv reagieren muss, ist sie in der Arbeit mit Menschen von großer Bedeutung. In der psychologischen oder psychosozialen Beratungstätigkeit, in der ärztlichen oder energetischen Behandlung, im Begleiten von psychisch Kranken oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen, dort wo Mensch auf Mensch trifft und kommuniziert wird, ist Intuition unverzichtbar. Denn wenn wir in der Logik bleiben, können wir Menschen nie verstehen, doch durch die verstehende, ganzheitliche, nicht wertende, bewusste Sicht der Intuition, können wir das Wesen eines Menschen erfassen und somit besser auf ihn eingehen.

von Mag. (FH) Sandra Grabner-Weihs

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